Über Sinn und Unsinn einer Wurzelspitzenresektion

wenn an einem wurzelkanalbehandelten Zahn eine Entzündung besteht wird oft gesagt: „Da machen wir eine Wurzelspitzenresektion“ Dabei wird die entzündete Wurzelspitze chirurgisach entfernt. Dies macht aber häufig keinen Sinn. Es kommt nämlich darauf an, wie es zu der Entzündung kam. Es gibt 2 Möglichkeiten:

1.) Man stellt auf dem Röntgenbild die Entzündung des noch lebenden Zahnes fest (der Nerv wurde noch nicht entfernt). Daraufhin wird an dem Zahn eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt in der Hoffnung, dass die Entzündung nach Entfernung des entzündeten Nervs ausheilt. Dazu ist es enorm wichtig den Eingang des Wurzelkanals nach Einbringen der Wurzelfüllung absolut bakteriendicht zu verschließen. Es dürfen keine Bakterien mehr von oben an die Wurzelfüllung gelangen. Dies geschieht am besten mit einer kleinen dentinadhäsiven Füllung aus lichthärtendem Kunststoff. Ist der Wurzelkanal absolut dicht verschlossen und wurde der Kanal sorgfältig gereinigt, macht eine Wurzelspitzenresektion Sinn, wenn die Entzündung an der Wurzelspitze nicht innerhalb von ca. 5 – 9 Monaten von alleine ausheilt.

 

2.) Der viel häufigere Fall ist aber, dass ein Zahn „irgend wann einmal“ wurzelkanalbehandelt wurde und die erste Zeit auch entzündungsfrei war. Plötzlich stellt man nach einiger Zeit  fest, dass der Zahn jetzt doch eine Entzündung an der Wurzelspitze aufweist. Wenn der Zahn anfangs „in Ordnung“ war und nach längerer Zeit dann doch eine Entzündung an der Wurzelspitze aufweist, bedeutet das praktisch immer, dass die Füllung in dem Zahn (oder die Krone etc.) „undicht“ geworden ist und Bakterien an den oberen Kanaleingang gekommen sind (und noch kommen!).

Laut wissenschaftlicher Studien dauert es maximal 80 – 90 Tage bis Bakterien, die an den Kanaleingang gelangt sind sich bis an die Wurzelspitze „hinuntergehangelt“ haben. Der Wurzelkanal ist dann also wieder mit Bakterien besiedelt und von oben kommen ständig neue nach. Leider wird auch hier allzu oft eine Wurzelspitzenresektion empfohlen. In diesem – wie gesagt viel häufigeren Fall – macht sie aber absolut keinen Sinn! Damit wird in diesem Fall nämlich nicht die Ursache beseitigt, sondern das Symptom (das ist so, als wenn bei Ihrem Auto die Kontrollleuchte für den Ölstand leuchtet (Sie sollten also Öl nachfüllen!) und Sie dann einfach das Birnchen herausschrauben und meinen, die Sache wäre damit erledigt).

Wenn ein solcher Zahn nicht noch einmal komplett gereinigt wird (Entfernung der Füllung – Entfernung der alten Wurzelfüllung – mechanische und Chemische Reinigung des Wurzelkanals – Einbringen einer neuen Wurzelfüllung – dichter Verschluss mit einer neuen dentinadhäsiven („geklebten“) Füllung) hat eine Wurzelspitzenresektion keine Aussicht auf einen langfristigen Erfolg!

Wird der Zahn hingegen nochmals gründlich gereinigt,  sind wir wieder bei 1.). Dies sollte man wissen, denn ich glaube niemand möchte sich einer (wenn auch kleinen) Operation unterziehen, wenn es nicht unbedingt nötig ist (oder keine Aussicht auf einen langfristigen Erfolg hat).